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Memes als moderne Volkskunst – ein kulturelles Update

  • Autorenbild: Robert
    Robert
  • 25. Mai 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Von Katzenbildern zur digitalen Satire: Warum Memes mehr sind als nur Internet-Scherze


Was ist ein Meme überhaupt?

Der Begriff „Meme“ wurde ursprünglich vom Evolutionsbiologen Richard Dawkins in seinem Buch The Selfish Gene (1976) geprägt – als Idee, die sich wie ein Gen über Nachahmung verbreitet. Heute verbinden wir mit dem Begriff vor allem virale Bilder, GIFs oder kurze Videos, die mit einem ironischen Unterton gesellschaftliche Phänomene kommentieren. Doch unter der Oberfläche steckt weit mehr als nur Unterhaltung: Memes sind Ausdruck kollektiver Kreativität – eine neue Form der Volkskunst.


Doge Meme
Doge Meme

Von der Höhlenwand zum Instagram-Feed: Die Evolution der Alltagskultur

Volkskunst – das war früher das, was Menschen mit einfachen Mitteln zur Gestaltung ihres Alltags schufen: Stickereien, Schnitzereien, Lieder, Geschichten. In gewisser Weise erfüllen Memes heute eine ähnliche Funktion:

  • Sie sind niedrigschwellig zugänglich.

  • Sie entstehen bottom-up, aus der Community.

  • Sie reflektieren gesellschaftliche Themen, Ängste, Humor und Trends.

  • Sie dienen oft der sozialen Zugehörigkeit – „Wer dieses Meme versteht, gehört dazu.“

Das Internet hat die Reichweite dieser Kunstform potenziert: Was früher auf dem Marktplatz oder im Wirtshaus geteilt wurde, verbreitet sich heute in Sekunden über TikTok, Reddit, Instagram oder Twitter/X.


Memes als Kommentar zur Welt

Memes können unglaublich präzise sein – sie destillieren komplexe Themen in einen einzigen Bild-Text-Kontrast. Hier einige Beispiele, wie Memes zur kulturellen Kommentierung beitragen:

  • Politik: Memes sind längst Teil politischer Kommunikation – ob als satirischer Widerstand gegen Eliten oder als Wahlkampfmittel.

  • Wirtschaftskritik: Denk an die „Broke vs. Woke vs. Bespoke“-Memes oder „Late Stage Capitalism“.

  • Identität: Memes geben marginalisierten Gruppen eine Stimme – sie schaffen Raum für Humor, Wut und Selbstermächtigung.

🎨 Ein gutes Meme ist wie ein digitales Graffiti: schnell, pointiert, rebellisch – und manchmal illegal.

Formen & Ästhetik: Das Spiel mit dem Erwarteten

Memes leben von Wiederholung und Variation. Sie greifen bekannte Vorlagen auf – wie das berühmte „Distracted Boyfriend“-Meme – und füllen sie immer wieder mit neuem Inhalt. Diese visuelle Remix-Kultur ähnelt traditionellen Kunstformen wie dem Collage-Stil oder der Pop Art (man denke an Andy Warhols Marilyn-Bilder).

Ästhetisch gilt oft: je roher, desto authentischer. Die verpixelte Schrift, das absurde Layout, die vermeintlich schlechte Qualität – all das gehört zur Meme-Ästhetik. Der Bruch mit dem „Professionellen“ ist Teil der Aussage: Wir sind das Internet, nicht Hollywood.


Memes und ihre Halbwertszeit: Ephemer, aber wirksam

Memes leben schnell und sterben noch schneller. Ihre Halbwertszeit beträgt oft nur Tage. Doch genau diese Flüchtigkeit macht sie zu einem spannenden Spiegel des Zeitgeistes. Was heute „cringe“ ist, war gestern noch „relatable“. Das zeigt: Memes sind Stimmungsbarometer – man kann mit ihnen gesellschaftliche Trends, Ängste und Sehnsüchte verfolgen.


Memes als (ernsthafte) Kunstform

Museen und Galerien beginnen, Memes als Kulturgut zu begreifen:

  • Ausstellungen: Einige Kunsthäuser integrieren digitale Meme-Kultur in ihre Programme.

  • Archivierung: Projekte wie „Know Your Meme“ dokumentieren die Geschichte und Entwicklung populärer Meme-Formate.

  • Künstlerische Praxis: Manche Künstler*innen nutzen Memes als zentrale Ausdrucksform – z. B. Petra Cortright, Rafaël Rozendaal oder Olia Lialina.


Fazit: Die neue Sprache der Massen

Memes sind viel mehr als Gags für den Feierabend. Sie sind kollektive Kommentare, soziale Kittmasse, emotionale Ventile und digitale Volkspoesie. Sie zeigen, wie Kultur heute funktioniert: dezentral, remixbar, partizipativ.

Ob in politischen Bewegungen, in Fan-Communities oder im ganz privaten Alltag – Memes sind das neue Lagerfeuer der Netzgesellschaft.


Du willst selbst mitgestalten? Probier’s aus: Mach dein eigenes Meme – zur Wahl, zum Wetter, zu deinem Chef. Es muss nicht perfekt sein. Hauptsache, es spricht – und wird geteilt.


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